Streifzüge durch die friedenaurelevante Literatur.

 - Ein munteres Blätterrascheln in den Beständen.

Wohlgemut und ein wenig großschnäuzig wird hier ein Projekt angekündigt, von dem das Ergebnis nicht feststeht.

Ein „work in progress“, welches sich vornimmt –mühsam nährt sich das Eichhörnchen- Titel für Titel anzusaugen, zu sichten und Dokument für Dokument zu würdigen.

Eigenwilligkeiten meiner Kommentierung sollten als Würze genossen werden und dazu einladen, sich eigenständig dem jeweiligen Stoff zu nähern, um sich in Reibung mit mir ein eigenes Urteil zu bilden.

Jeglicher Tendenz, das demokratische Meinungsspektrum einzuengen, versuche ich lustvoll zu widerstehen. Sei es durch Provokation oder gar Polemik. (Tucho und Hiller zu ihren Friedenau-Zeiten waren Meister darin.) Dogmatischen Positionen und Bevormundungen habe ich nie etwas abgewinnen können. Ein Orientierungs-leuchtturm bleibt für mich Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) mit seinen „Sudelbüchern“. Selbstredend bin ich nur zwergenhaft angesichts der drei Genannten.

  1. Motto:

„Eine seltsamere Ware als Bücher gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten die sie nicht verstehen.“

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

  1. Motto:

„Lesen heißt borgen, daraus erfinden, abtragen.“

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

  1. Motto:

„Das Buch, das in der Welt am ersten verboten verdiente, wäre ein Catalogus von verbotenen Büchern.“

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)

Mit geringer gedanklicher Anstrengung wird ein jeder nachvollziehen, dass diese Sentenzen aus grauer Vorzeit leicht abgewandelt auch in der Internetwelt heute zutreffen.

  1. Alles reichlich meschugge und in seiner Unermesslichkeit und seiner Machart und Absicht nicht gänzlich verstehbar. Mediale Warenwelt als Wirrwarr (Verheißung und Dummheit dicht beieinander). Die WAHRHEIT gibt es nicht, es gibt nur Sichten!
  2. Dankbarer und denkbarer (wünschbarer) Umgang mit Medien. Schöpferisches Sichten! Zum Eigendenken anregend!
  3. Freiheitsdurst! Weder Ausspähung durch Schnüffeldienste noch durch Zensoren, gleich welcher Couleur.

 

Mir schwebt eine „kritische Bibliografie“ der angeschwollenen friedenaubezogenen Literatur vor. Eine Handreichung und Ermunterung zum Stöbern in Geschichte und Gegenwart!

Da ich mich nicht allein als „Heimatkundler“ verstehe, erlaube ich mir, auch über den Gartenzaun hinauszublicken.

Heimatkunde wird demgemäß verstanden als Weltöffner. Immer von der konkreten Vielgestalt und der Buntheit des begrenzten Umfeldes ausgehend, pirscht sie sich tastend an größere Zusammenhänge heran. Sie erweitert sich und spürt den historischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Einbettungen nach. Auch ästhetische Gesichtspunkte werden objektbezogen diskutiert.

Die einzelnen Texte differieren sowohl in puncto Umfang als auch in der literarischen Form. Jegliche Glättungsvorgaben à la Brockhaus oder Wikipedia werden allerdings ignoriert. Objektbesprechungen ohne deutlich gemachten Ich-Filter und Ich-Bezug langweilen mich. Kontroverse Sichten liebe ich! (Nebenbei auch diese oder jene Abschweifung!)

Die vorläufige Reihenfolge des Rezensierten ist abhängig von meiner Leselust und Schaffenskraft (Lust- und Laune- Prinzip). Sie bildet keinen hierarchischen Kanon ab. Jede Besprechung steht für sich selbst ein. Auch auf den ersten Blick Nebensächliches/ womöglich Drittrangiges, kann meinen Appetit reizen.

Eine Gruppierung der Einzelteile in einen chronologischen oder andersorientierten sinnvolleren Zusammenhang bleibt einer möglichen Schlussredaktion vorbehalten. Zukunftsmusik mit Fragezeichen.

Längere Zitate (Quellen sprudeln lassen!) bildlicher oder textlicher Natur haben den Zweck, den Stoff zu verlebendigen.

 

Wohlan und frischwärts gesichtet!

 

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WOLLSCHLAEGER, Günter: Chronik Friedenau

Berlin: Wort- & Bild-Specials, Herbst 1986, 103 Seiten und 4 Seiten Verlagsanzeigen. 20 Abbildungen im Text nach überwiegend alten Ansichten.

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Komisch! Der Titel verheißt eine Darstellung im zeitlichen Ablauf seit der Gründung der Landhauskolonie in den Frühsiebziger Jahren nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches.

Der Anspruch der Überschrift wird allerdings in keinster Weise erfüllt. Nicht einmal einen tabellarischen Abriss der Eckdaten der Entwicklung wird im Anhang beigefügt. Selbst das Register mit seinen Allgemein gehaltenen Stichworten wie „Alltag“, „Verkehrswesen“, „Kirchwesen“ erschließt das Werk höchst mangelhaft. Selbst eine Kapitelgliederung fehlt.

Nun wäre es aber voreilig, dieses Buch mit dem irreführenden Titel zuzuklappen und weiter zu eilen.

 

Berücksichtigt man den 1986 vorhandenen Vorrat der Friedenauliteratur, so wird man schnell zu der Einsicht gelangen, dass hier der erste Versuch vorliegt, eine Gesamtübersicht zu bieten.

Was lag denn bis dato vor?

Diverse Festschriften der Friedenauer Schulen und Vereine und der Kirche zu ihren Jubiläen von bedingter Ergiebigkeit und einige Vorarbeiten in den „Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins.“

Diese Aufsätze (z.B. vom April 1977) sind zudem auch aus der Feder des besprochenen Autors.

Die fundierteste Quelle, die sich bot war das – von allen Friedenauautoren nach ihm bis heute- abgeschöpfte „Adressbuch für Friedenau 1914, 11 Jg. (Stand Oktober 1913) erschienen im Druck und Verlag von Leo Schultz in Friedenau (Rheinstr.15).

Ohne dieses Jahrhundertwerk, das weit mehr als Adressen zu bieten hat, stünde es um die Geschichtsschreibung wahrlich schlecht.

Es verblüfft, dass zwischen 1913 und 1986 nichts Umfassendes und Friedenauspezifisches versucht wurde. Eine gigantische zeitliche Lücke klafft!

Erst 1986 erscheint Voluminöses!

Lit_02_LebenLandgemeinde1.)   Diese Arbeit des damaligen 2. Vorsitzenden des Vereins für die Geschichte Berlins, der sich als Friedenau-Apostel ein umfangreiches Archiv zum Thema aufgebaut hatte

und

2.)   Der bis zum heutigen Tage unermüdliche
Friedenau-Buddler Herman EBLING legt
eine umfangreiche Dokumentation über den
Zeitabschnitt 1871 – 1924 vor. („Friedenau- Aus dem Leben einer Landgemeinde“. Berlin. Zinsmeister & Grass 1986, 195 Seiten. Mit opulenten historischen Ansichten.) Ein großformatiger (24,7 x 26,5 cm) Klopper mit reichhaltigen Faksimiles ausgestattet.

 

Beiden Quellen ist gemein, dass sie kübelweise Materialien über uns ausschütten. Beide Bücher wuchten mit Leidenschaft die wuchernden Sammelvorräte dem Leser bzw. Betrachter vor die Augen. Dschungelgefühle mit gelinden Panikattacken sind die Folge.

Eine konsistente Friedenauerzählung  im Sinne einer historischen Monografie kann nicht erwartet werden.

Auch muss in diesem Zusammenhang daran erinnert werden, dass World Wide Web erst am 30.4.1993 freigegeben wurde und diese Pionierarbeiten allein der Energie und Emsigkeit der Autoren zu verdanken ist.

 

Wollschläger plündert seine in mühevoller Kleinarbeit (auch durch die Befragung diverser Friedenauer Bürger) zusammengetragenen Zettel- und Archivkästen, die er allerdings erstaunlich willkürlich zusammennäht. Der Leser wird gleichsam durch einen chaotischen Rübenacker gehetzt. Neben saftigen Zuckerrüben werden kümmerlich verkrautetes Gewächs, gar „Unkraut“ gleichgewichtig behandelt.

Wer zum Deibel kommt da noch mit?

 

Rheingauschule (damals nach der verehrten Königin- Luise benamst)

 

„Geschweifte Giebel im teigigen Auseinanderfließen der Konturen, Asymmetrie und Betonung der Mitte kennzeichnen den barockisierenden, trotz aller Monumentalität gefällig wirkenden Jugendstilbau unter französischem Mansardendach.

Hans Altmann, der am 1. April dieses Jahres (1904) zum Gemeinderat berufen war, hatte ihn errichtet.“

 

Schon bis zu dieser Stelle ist verwirrendes zusammengemengt: teigig, asymmetrisch, barockisierend, französisch, Jugendstil.Das mir bekannte Gebäude entsteht nicht vor meinen Augen,sondern flirrt und schwirrt.

Aber es kommt noch mehr. Ich fahre im Text fort:

„Damals betrat man ihn noch von der Goßlerstraße aus.

Auf dem Hofgelände in der Rheingaustraße lag der große Schulgarten, dessen biologischer Teil sich anschaulich in Alpinum, Moorlandschaft und Waldwiese gliedert. Mancher Straßenpassant blieb im Vorübergehen bewundernd vor ihm stehen, und die meisten Friedenauer kannten ihn zu allen Jahreszeiten. Die Jungen waren in den altvertrauten Räumen in der Albestraße unter dem jetzigen Rektor Jaeschke geblieben. Auch der bisherige Schulgarten an der Fehler- und Stubenrauchstraße gehörte ihnen nur allein. Heute ist von beidem nichts mehr zu sehen. Als der Bau der öffentlichen Höheren Mädchenschule entstand, hatte die nun hinter diesem liegende Gemeindeschule den größten Teil des Pausenhofes an ihn abzugeben und den eigenen an die Rheingauschule zu verlegen. Nur die Schülerinnenbeete zwischen Turnhalle und Haus blieben an der Südecke der Ostseite bestehen. Sie versorgten übrigens die Schulküche mit Gemüse und Kartoffeln und unterstanden der Oberleitung Wilhelm Ukrows, der am 1. Oktober 1912 nach 36 Dienstjahren den Ruhestand einreichte.“ (Seite 31)

 

Sorry, ich blicke da nicht mehr durch. Wie war das mit der Südecke der „Ostseite“? Zum Abschnarchen diese und viele ähnliche Zupfereien in den Gärten der Vergangenheit. – Übrigens hat die neuere Forschung herausgefunden, Oberleiter Wilhelm Ukrow sei schon nach 35 Dienstjahren…

 

 

Summa:    Jenseits dieser zitierten Krümelkackereien enthält dieses Buch, holter

die polter aneinandergereiht, viele nuggets. Eine Arbeit für Goldgräber! Aber auch diese mussten ihr Sieb unermüdlich schütteln und rütteln. Eine Antichronik mit Goldgekörntem!!

 

Jede spätere Veröffentlichung zu Friedenau hat diese Wollschläger- Sieberei  mit Erfolg durchgeführt.

 

P.S.: Übrigens der Verleger des Buches Hans Peter Heinicke hatte als Antiquar in der Rheinstraße in der Nachbarschaft des Juwelier Lorenz acht Jahre sein schmales Ladenquartier gehabt.

Später war darinnen ein Innendekorateur (Stoffe/ Bezüge) langjährig am Wirken – Alles Vergangenheit.

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BÜRKNER, Alfred
Friedenau- Straßen, Häuser, Menschen

Berlin: Stapp Verlag 1996 232 Seiten OHKT.

Lit_03_BuerknerZehn Jahre nach der Wollschlaeger-Chronik legte uns „Don Alfredo“, der aus einer alten Friedenauer Familie stammt, ein Geburtstagsgeschenk zum 125. Jubiläum von Friedenau (exakt gegründet am 9.Juli 1871) auf dem Gabentisch.

Im Gegensatz zum Rübenacker der Antichronik durchschreiten wir mit Bürkner einen gleichsam zuchtvoll gehegten preußischen Barockgarten. Das verdienstvolle Werk ist genauso klar und einsichtig gegliedert und gestaltet wie der Ortsteil Friedenau selbst.

Es ist als Nachschlagewerk mit musikalischer Kennerschaft komponiert.

(Bereits sein gleichnamiger Vater war Klarinettist und Berliner Kammervirtuose und lebte von 1948 – 1981 in der Baumeisterstraße 8 und die Bürkners sind aus dem musikalischen Treiben in den Kirchen Friedenaus nicht wegzudenken.

Jeder hat von den Posaunen Jerichos gehört, den Posaunen Chor Friedenaus aber kann man seit 30 Jahren hörend genießen!)

Drei ausführliche Register werden zur Entschlüsselung aufgeboten.

Ein Personenregister mit Beifügungen z.B.:

ANSCHÜTZ, Ottmar, Photograph, Stubenrauchstr. 43 Friedhof (Ruhestätte) Wielandstr. 33 (Wohnung) LUFT, Friedrich, Kritiker Bundesallee 74

 

Darüber hinaus ein Personenregister nach Berufen geordnet.

Bsp.: ALTMANN, Hans, Architekt, nun werden alle seine Bauten gelistet als da wären:
Lit_04_altmannBreslauer Platz/
Bundesallee 64/ 76/ 86-88/
Laubacher Str. 27/
Lauterstr. 19-20/
Offenbacher Str. 5a/
Perelsplatz 1/
Rheingaustr. 7/
Schwalbacher Str. 3-4/
Stubenrauchstr. 43-45/
Stubenrauchstr. 67/                        Südwestkorso 62.
 aus dem Buch S.31

 

Somit ist einem ortsfremden Architekturfan die ganze Palette der Bauten, die der Friedenauer Stadtbaurat verantwortete, bzw. an denen er beteiligt war, übersichtlich dargeboten. Der Besucher kann Gebäude für Gebäude mit Stadtplan ohne Mühen seine Erkundungsgänge beginnen. Eine verdienstvolle Handreiche!!

 

Ein drittes Register benennt im weitgefassten Sinne Institutionen und nennt Straße und Hausnummer, wo sie sich dereinst befanden oder gar noch befinden. Alphabetische Beispiele;

Askania- Werke Bundesallee 86- 88/ Diskothek „ La Belle“ Haupts-Straße 78/79 (da ging am 1986 ein terroristisch gesteuerter Sprengsatz hoch, der zwei Menschenleben vernichtete und 150 zum Teil Schwerverletzte hinterließ) /NSDAP Ortsgruppe Friedenau Niedstraße 39/ Sowjetische Kommandantur Stubenrauchstraße 5.

 

Allein schon wegen der Register, die auf 33 Seiten übersichtlich dargeboten werden, ist dieses Werk zu rühmen. Sie wurden alle noch per Hand und nicht per Knopfdruck erarbeitet.

In seiner Einleitung, welche die äußerst komplizierten Ortsteilgrenzen (Gemarkungen) historisch nachgezeichnet und für seine Arbeit das Terrain definiert, findet sich auch die folgende schöne (da ausgewogene) Formulierung:

 

„Für die in diesem Buch genannten Personen gibt es keine genau definierten „Aufnahmekriterien“; wissenschaftlicher Rang, künstlerische Bedeutsamkeit und Ruhm sind Subjektiv sehr unterschiedlich ausdeutbare Variablen.“

 

So findet sich im Berufsregister auch ein Schornsteinfeger, Stolzenburg, Wilhelm Handjerystraße 40, hingegen macht er vom Popularitätsgebot auf das Rücksicht zu nehmen sei, eine einzige Ausnahme:

Günter Grass wird nicht genannt, da „dessen Adresse in der Niedstraße fast zum Allgemeinwissen gehört.“ Auch diese ironisch angekündigte Ausnahme finde ich anmutig.

Nach einer kompakten Chronologie, die 1945 (lang ist’s her) zu früh endet, folgt dann der strikt Straßen- bzw. Platz- orientierte Hauptteil vom Adam- Kuckhoff- Platz bis Wilhelmshöher Straße. Die Einträge erfolgen Straßennummer aufwärts.

 

Die Dichte und Güte hängt stark von dem ab, was Bürkner geschürft hat, in Nachschlagewerken aller Art. Eine Kärrner – Arbeit des Zusammentragens. Ein Ausweiden und Abgrasen! Kurzum eine Maloche!

 

Seine Gier nach dicken Wälzern wie Kürschners- Lit. Kalendern oder Bühnen – Jahrbüchern verschiedener Jahre und Jahrzehnte, was über Jahre schier unermesslich. Das kann ich als Ex- Antiquar bezeugen!

 

Auch die beigegeben fotografischen Abbildungen sind eindrucksvoll.

Z.B. eine Putte mit Feuerwehrschlauch über der ehemaligen Feuereinfahrt in der Lauterstraße. (Rathausseitentrakt) Lit_05_feuerwehrrathaus

Erst nach Kenntnisnahme des Fotos habe ich’s vor Ort entdeckt, ich Tölpel.

Die Fotos zeichnen das Bild Friedenaus um 1986 aus den verschiedensten Perspektiven!
Ein exemplarisches Aufgreifen der Motive. Harsch meine Kritik, dass die Fotografin bzw. der Fotograf nicht erwähnt wird. (Erfuhr soeben, dass Alfred Bürkner höchstselbst sein Licht unter den Scheffel stellte. Pfui!)

Zum Abschluss nur zwei Beispiele, die den Ertrag und die Vorgehensweise demonstrieren. Sie wurden im Blindtipp-Verfahren aus dem Buch ermittelt:

 

1.)     Friedrich- Wilhelm- Platz 8

Diese verspielte Villa baute sich 1890 der Architekt und spätere Kaiserliche Postbau- Sekretär Paul Kunow. Durch die Neugestaltung des Platzes hat sie leider viel von ihrer organischen Einbettung in die Umgebung verloren. Die Villa ist unter Denkmalschutz gestellt.

 

2.)     Stierstraße 14/15

Im Erdgeschoss des Gartenhauses lebte (1920) der Dichter Max Hermann- Neiße (1886 – 1941 im Exil in London) mit seiner Frau Helene. Er begann als expressionistischer Lyriker, Dramatiker und Erzähler. Sein Werk sah er als brüderlichen Aufruf, gemeinsam die „Trauer der Erde“ zu überwinden. 1933 emigrierte er nach England. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen die Lyrikbände „Empörung, Andacht, Ewigkeit“, 1917; „Im Stern des Schmerzes“, 1924; „Einsame Stimme“, 1927; „Musik der Nacht“, 1932; die Dramen „Joseph der Sieger“, 1919; „Der letzte Mensch“, 1922; die Erzählungen „Cajetan Schaltermann“, 1920; „Der Flüchtling“, 1921; „Der Todeskandidat“, 1927.

Vorgarten und Innenhof, gestaltet ab 1911, sind unter Denkmalschutz gestellt.

 

Das Buch kann in seiner von Bürkner eingestandenen Lückenhaftigkeit und Fülle auch uns Jetztzeitigen das Ausmaß des gnadenlosen Vergessens verdeutlichen.

Viele zu Lebzeiten berühmte bzw. namenhafte Persönlichkeiten, die im Buch erinnert werden, sind dem Orkus des Verschwindens anheimgefallen. Namen, die keiner mehr kennt! Viele Fäden konnten gar nicht mehr gezupft werden.

Dennoch ist dieser reichgewirkte Flickenteppich als Gesamt in seiner Buntheit und Vielgestalt, die sich in Straßen, Häusern und Menschen und Ereignissen spiegelt einer der gewichtigsten Beiträge zum Friedenauer Leben der Vergangenheit.

Wir setzen diese auch nur vorläufig- vorübergehend als Gegenwart fort.

 

P.S.: Auch der um die Berlin- Lit. verdienstvolle Verlag von Wolfgang Stapp, in dem das Buch sorgsam gedruckt wurde, ist längst Vergangenheit.

 

 

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KÖDITZ, Gertrud und Will, DenisFriedenau und seine Vorgärten”

Bln.: Bauverlag (Berliner Hefte 1) 1985  40. S. Broschur, f.: 26 x 21 cm

Lit_06_berlinerhefteWelcher Friedenaubewohner bzw. – Flaneur ergötzt sich nicht an den schmucken Vorgärten, Eingangsbereichen, Umzäunungen und Steineinfriederungen in diesem Ortsteil?

Neben dem üppigen Baum- und Altbaubestand machen Sie den Liebreiz dieser Gegend aus!

In dieser Schrift wurden in Zusammenarbeit mit der Gartendenkmalpflege, dem Landeskonservator etc. von einem Planungsbüro die Spezifika der Vorgärten ergründet.

Das war eine Pionierleistung, denn gegenüber den großen Parkanlagen, die von einem Lenné oder Fürst Pückler gestaltet wurden, war der bürgerliche Vorgarten der Gründerzeit bis 1914 ein unbeackertes Feld.

Mithin ein frühökologisches Projekt mit der Zielsetzung, die Wiederherstellung alter Vorgärten in historischer Form zu fördern bzw. die „ verkehrsgerechte“, Dezimierung oder Verhunzung zu verhindern.

Vorgartenüppigkeiten sind ja immer abhängig von den Vorgegebenen baupolizeilichen Baufluchtlinien und wir können heilfroh sein, Nachfahren einer preußisch kommandierten Provinz zu sein, denn im Kommentar zum Fluchtliniengesetz vom 2.7.1875 heißt es bereits:

„Vorgärten dienen zum Schmuck. Sie gewähren den Vorteil, dass trotz geringer Breite der Straße … doch Licht und Luft reichlich zugeführt wird. Die Vorgärten sollen als Gärten die hinter ihnen liegenden Bauwerke durch Zuführung von Licht und Luft und durch Pflanzenzuwuchs zu gesünderen Wohnstätten machen, sowie ihnen und der Straße zur Zierde dienen.“

Aber auch dieser schöne Kommentar hält- daran hat sich wohl bis heute nichts geändert- sein Hintertürchen offen: Eine nötige Verbreiterung der Straße würde auch mit geringeren Kosten verbunden sein. So sind dann auch bald alle Vorgärten in der Haupt- und Rheinstraße beseitigt und in den Folgejahrzehnten manch Straßenzug verkehrsgerecht bereinigt worden.

Allerdings wurden in Friedenauien – wie andernorts vielfach geschehen- keine Vorgärten zu Autoparkplätzen barbarisiert.

Als oberste Maxime der Altvorderen galt und sollte fürder gelten, dass der Vorgarten sowohl vom Haus als auch von der Straße als anmutiges Geviert gesehen wird, durch das ein einladender Eingangsweg zum Haustore führt.

Schlendernd durch Friedenau sehen wir allerorten Mosaikpflasterflächen mit Bändern und/ oder Ornamenten, Flächen mit sog. Mettlacher Fliesen (die sind zumeist geriffelt und können verschiedene Farbtöne aufweisen).  Häufig sehen wir weißgetönte Sternornamente die sich von der anderen Pflasterung abheben. Anderswo Terrazzoflächen mit Mustern und Ornamenten oder eingelegten Jahreszahlen geschmückt. Als Einfassungskante im Eingangsbereich und zum Bürgersteig hin wurde in Friedenau sehr häufig als Material glasierter Klinker verwendet. Zeigen Sie es ihren Kindern. Die glasierten Klinker mit einer abgerundeten Ecke werden Sie häufig in der Farbe weiß finden, jedoch sind auch andere Farben verwendet worden und heute noch mancherorts im Kiez zu entdecken. Wo? – Lasset die Kinder suchen und finden! Augen auf!

Das Autorengespann geht auf die Pflanzenauswahl, und die architektonische Ausstattung des Vorgartens ein. Alles kurz und prägnant und mit anschaulichen Bildern belegt:  „Alte Tuffsteinanlage mit Resten der ursprünglichen Bepflanzung, wie z.B. Farnen“, „Verwilderter Vorgarten mit überwiegender Spontanvegetation“. (Wogegen ich als Rezensent gar nichts habe. Solch herrlich wucherndes Dickicht hab ich selbst vorm Balkone!).

 

Wir sind jetzt erst bei Seite 17 (von 40 Seiten) angelangt. Schluss mit der Texterei! Der Rest nur (was heißt hier nur?) noch exemplarisch auf fotografische Wiedergaben begrenzt. Vier Themen: Zäune/ Details (der Zäune)/ Eingänge zum Haus/ Pflasterungen.

Dieser Augenschmaus macht jeden in fünf Minuten klüger und für den nächsten Spaziergang durchs Quartier neugieriger und gerüsteter.

Die einzige Kritik an dieser unscheinbaren wie nahrhaften Broschüre. Die Autoren machen keine Angaben zum Standort des Porträtierten.

Wo zum Beispiel – herrjottchen- ist der „letzte Frontzaun aus Holz in Friedenau in Kombination mit Pfeilen und Sockel aus Kunststein“ aufzufinden?

Heiliger Bimbam: Barasch will das Ding sehen!!

Muss wohl öfters mit offenen Oogen auf Wanderschaft gehen.

(Die großf. Broschüre ist in der Gerhart Hauptmann Bibliothek vorhanden!)

 

Das Büchl ist zugeklappt und wir biegen nun von der hinter dem Breslauer Platz beginnenden Rheinstraße rechts ab und in die Schmargendorfer Straße ein. Sie führt zum René Sintenis Platz und wird von vielen benutzt, die entweder zur Post oder zur U-Bahnstation Friedrich Wilhelm Platz wollen.

Bis kurz vor dem Platz sind alle Vorgärten dem Handel und Wandel geopfert worden. Erst die Nummer 6 auf der rechten Seiten und der herrlich umfangreiche vor dem Gartenlokal unmittelbar am Sintenis Platz blieben erhalten. Letzter verdient eine eigene Würdigung! Denn dieser „Biergarten“ ist eine Lustbarkeit ersten Ranges.

Da wird auch ein verwöhntes Bajuware oder Schwabe jauchzen!

Lit_07_schmargendorfer19jhDie Abbildung zeigt das Haus in der vollen alten Pracht. Das Foto stammt aus der Frühzeit der Weimarer Republik. Mit der Lupe identifizierte ich die Inschrift auf dem rechten Eingangspfosten. Da steht: „ Schöneberg- Friedenauer- Bank“, welche nach 1920 aus der „Friedenauer Spar- und Darlehenskasse“ des Kaiserreichs hervorging. Das Haus war von Kriegsschäden gezeichnet, die erst nach 1956 beseitigt werden konnten. Wie die heutige Frontansicht (s. Abb.) zeigt, ist die Fassade des Zierrates beraubt worden. Der 1904 angelegte Vorgarten hingegen wurde bereits 1958 nach alten Vorlagen wiederhergestellt.

Die Einfriedung des Mietshauses blieb im Originalzustand gänzlich erhalten. Straßenseitig bildet ein schmiedeisernes Gitter auf einem Klinkersockel die Begrenzung. Für den Sockel wurden auch hier weiß glasierte Klinker- Verblendsteine verwendet. Die vierkantigen Eingangssäulen sind zusätzlich mit einem Putzstreifen und gerundeten Hauben versehen. Im Eingangsbereich finden wir dann auch den weißen Klinkersockel mit den abgerundeten Ecken, welche die Vorgartenflächen einfrieden. Die Flächen bestehen überwiegend aus schlichtem Rasen und der raumwirksamen Rotdornreihe an der Straßenseite.

Lit_08_schmargendorfer20jhHinter dem René Sintenis Platz reihen sich dann noch weit schmuckere Vorgärten.

Schaut selber nach!

 

 

 

Die folgenden hinguckerischen Fotos sind nicht der besprochenen Broschüre, sondern dem „Schatzkästlein“ der friedenaubegeisterten Ines Kersting entnommen.

Eine Einladung zum Umherwandern!

 

Merci!

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 STREIFZÜGE durch den Berliner Südwesten

 Hrsg. vom Johannisthaler Technikverein e.V. Berlin, Sept. 2004 136 S. Querformat (14,7 x 21 cm)

Mit zahlr. Kleinform. (4,5 x 3,5 cm) Fotogr. und Lageplänen zu den dargestellten Einrichtungen und Objekten.

Ein agiler Verein mit zahlreichen Mitwirkenden erobert bekannte und verschwiegen gelegene Sehenswürdigkeiten der Bezirke Tempelhof, Schöneberg, Steglitz und Zehlendorf. Spaziergänge per pedes und per Rad, sowie einzelne Objekte werden ausführlich diskutiert und grafisch vorzüglich dargeboten. Der Schöneberger Teil der Hauptstraße wird zwar abgegrast, die Fortsetzung bleibt ausgespart. Leider sind die neugierigen Erkundungsvergnügten an Friedenau vorbeigeradelt. Von den 128 Besichtigungen wird allein das „ Berliner Uhrenmuseum“ des Juwelier Lorenz und der an der Ortsteilgrenze liegende Titaniapalast gewürdigt.

Schad drum.

 

Ich liebe den Titania- Palast als architektonisches Erlebnis. Allerdings ist er nunmehr durch Schachtelarchitektur und Werbungsflächen der letzten Jahrzehnte immer mehr umsäumt, verstellt und zurückgedrängt worden ins Einerlei. Dabei ist er eine berlinrelevante Institution der Nachkriegszeit gewesen, weil die meisten der historischen Versammlungsstätten dieser Größenordnung wie Philharmonie, Oper etc. durch den alliierten Bombenhagel in Trümmern unbespielbar daniederlagen.

Die glanzvolle Titania- Wirkung wie bei Franz Hessel in seinem schönen „Spazieren in Berlin“ (1929) auf den Flaneur hatte, ist dahinne:

„WLit_10_titaniao die Kaiserallee in die Schlossstraße mündet, fängt Steglitz an. Es beginnt hochmodern mit einem stolz ragenden Filmpalast, an dessen Flanken in strahlenden Röhren das Licht flutet, in dessen Innerem strenge Linien und kühne Wölbungen Zuschauer- und Bühnenraum umschweife…“ Ein Wahrzeichen der Moderne als Auftakt zu Steglitz, welches Hessel ansonsten als „eine der älteren berlinischen Kleinstädte“ erlebte.

 

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EGGERT, Stefan
Spaziergänge in Schöneberg

Bln.: Haude und Spener 1997 (Berlinische Reminiszenzen Nr. 78)

109 Seiten, zahlreiche Abbildungen – mit einer Abschweifung zum Marlene Dietrich-Kult

Lit_11_spaziergaengeIn dieser populären Reihe dieses traditions-
gesättigten Berliner Verlages werden drei
Spaziergänge und andere Exkursionen und
Exkurse dargeboten.

Angepriesen wird vom Marketing: „ Vergessenes
und Bekanntes, Merkwürdiges und Überraschendes
geben in der Darstellung des Autors dem Bezirk
sein unverwechselbares Gesicht.“.

Ich beschnuppere hier nur den Friedenau-
bezogenen Teil.

Das Friedhofskapital zu Friedenau eröffnet mit?…
Erraten!! : „In den letzten Jahren ist dieser Friedhof
in das Blickfeld der Weltöffentlichkeit geraten, da 1992 die große Schauspielerin und Sängerin
Marlene Dietrich nach langem Pariser Exil („Wohnaufenthalt“ oder „Wahlheimat“ klänge wohl
zu wenig pathetisch? –RB) dort bestattet wurde“.

Bekanntlich ist die Dietrich aber mit ihrem Regisseur Josef von Sternberg kurz nach ihrem
Welterfolg als Lola in „Der blaue Engel“ (Premiere 1. April 1930) aus freien Stücken nach Hollywood gegangen. Schon bei der Premierefeier im Nobelrestaurant Borchardt habe sie und der Regisseur durch Abwesenheit geglänzt und in Hollywood gelang es ihr im Handstreich, ihre legendäre Karriere als Weltstar auszubauen. Von Exil also keine Rede.

Ihre Charaktergröße bestand darin, den Verlockungen des Propagandaministers Joseph Goebbels, der ihr unsäglich hohe Gagen und freie Auswahl bei Drehbüchern und Rollenbesetzungen versprach (bis 1936) widerstanden zu haben. Als Preußin sagt sie entschieden „Nein“ zu dem, was 1933 eingerührt wurde. Mit allen – auch bitteren – Konsequenzen.

Zurück zum Stubenrauchfriedhof: Das „schlichte Grab“ sei eine „Huldigungsstätte“, der „Mythos ‚Marlene’ lebt!

Dass die Berliner ihr bei Rückkehr 1945 in amerikanischer Uniform ihr nicht die Füße küssten, scheint mir verständlich.

Die Großdiven der Truppenerbauung und – Anspornung, heißen sie nun Marlene oder auf deutscher Seite die Schwedin (!) Zarah Leander, haben für mich auch heute noch etwas Zwielichtiges an sich. Das bezieht sich auch auf Animateure jeglicher Couleur und jeden Geschlechts in jetzigen und künftigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Bombenterror der Alliierten, der allein 50.000 Berliner Menschen das Leben kostete, war noch der Generation, die dies erleiden musste, allgegenwärtig vor Augen und weder leiblich noch seelisch verkraftet.

 

In meiner Huldigung an Marlene schließe ich mich den Sätzen des Schriftstellers und Kabarettisten Christoph Stählin an, die er anlässlich des 100. Geburtstages der Mythos-Lady in der FAZ am 27.12.2001 feinsinnig-ironisch formulierte:

 

Der preußische Geist hatte sich gegen Ende noch zum Ziel gesetzt, etwas wahrhaft Erotisches zu erzeugen, und es wäre ein Wunder, wenn ihm das bei all seiner Zielstrebigkeit, Disziplin und konsequenter Planung nicht gelungen wäre. So ist Marlene Dietrich in die Welt gekommen, ein ideales Wesen von distanzierender Attraktivität und faszinierender Kühle, das den Verdacht des Unerotischen ebenso entschieden von sich weist, wie es sich jeglicher Verniedlichung verbittet.

Christoph Stählin, Schriftsteller und Kabarettist

 

Wenn ich die Marlene- Kavalkaden auf dem „Künstlerfriedhof“ betrachte, die dort häufig ihren Gedenkkitsch hinterlassen, vermute ich, dass die Dietrich von vielen heute primär als Avantgardistin einer „Quer- Ideologie“ gesehen wird, wie sie besonders penetrant und respektheischend von Berliner Jackwerth- Verlag trompetet wird. Die monatlich erscheinenden Gratismagazine wie „Siegessäule“ (2005 bereits 48.000 Auflage) Du & ich, L-MAG (Lesben Magazin), die sich von den eindeutigen/ einschlägigen Kontaktanzeigen nähren (auch der brutalsten!) versammeln alle schräg queren Lobbyistengrüppchen und – Verbände. Die Visitenkarten der Szene!

2005 konnten der Verlag naturellemento  im Beisein unseres Regierenden Bürgermeisters  bereits sein zehnjähriges Jubiläum abfeiern. Wowereits Flughafengelände ohne Bruchlandungsgefahren! 2013 sind die respektheischenden Minderheiten medial spitzenmäßig platziert, so dass allein der Vorwurf „homophob“ nahezu gleichrangig mit „antisemitisch“ gehandelt wird. Das heißt: Ende der Karriere, ab ins Eck! Aus Verfolgten werden Verfolger!

Weltgeschichtlich jesehen keen Novum! Gesetze werden dem Zeitgeist angebiedert. Selbst das Grundgesetz wird abenteuerlich hingebogen. Möglich, dass die „fesche Lola“ mit ihren herrlich lasziven Chansons („Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt!“ usw.) und ihren vielen amourösen Beziehungen zu Männlein und Weiblein (Eggert u.a. listen sie im einzelnen akribisch auf), selbst beigetragen hat, dass sie zur Galionsfigur dieses Spektrums avancierte.

 

Sie hätte sich allerdings in ihrer Vornehmheit nie dazu herabgelassen, sexuelle Orientierung oder gar Fickgeschichten zum propagierten Zentrum ihres Schaffens zu machen. Wer hätte das Recht sie als Sängerin schwuler himmlischer Heerscharen oder lesbischer Kohorten zu vereinnahmen?

 

Sie hat immer ihr Recht auf Privatsphäre verteidigt. Ich würdige sie auch als Frau, die sich elf Jahre hermetisch den widerlichen Paparazzis verweigerte. Als Frau, die sich leidend gegen diese Meute abschirmte. Die bittere Kehrseite von Berühmtheit hat sie im Alter wahrlich leiblich erlitten!

Von ihr ist bekannt, dass sie eine große Lyrikfreundin war und wie viele Frauen ihrer Generation Rainer Maria Rilke verehrte und überhaupt eine intensive Leserin war.

Sie war nie Opportunistin! Das unterscheidet sie von der anderen Galionsfigur Zarah Leander, die auch als Ikone oben geschilderter „Bewegungen“ angehimmelt wird.

Man verzeihe mir die ausfransende Buchkritik! Frecherweise setze ich sogar noch eins drauf! Denn in diesem Zusammenhang wird dem Leser eine der schönsten Parodien des 20. Jahrhunderts in Erinnerung gerufen. Dieses brillante Stück deutscher Prosa wurde von den unvergesslichen Kabarettisten- Duo Carl Merz (1906 – 1979) / Helmut Qualtinger (1928 – 1986) nach Erscheinen der Zarah- Memoiren (Es war so wunderbar: Mein Leben 1959/60) gefertigt. Es kommt aus der wienerischen subversiven Schmähecke. Hat wohl nix mit Friedenau zu tun (?).

 

Bei mir erntet der Text jedesmal Lachsalven und die Tränen kullern. In der Überzeichnung ist bestürzende Wahrhaftigkeit eingebettet. Ein Kleinod! Einfach hinreißend dieses Satirestück!

Viel Vergnügen am Lehrstück über das, was Ranschmeißen und Opportunismus zu allen Zeiten ausmachte:

 

Parodie „Also sprach Zarah…“

Ich war rothaarig“, erinnert sich Zarah Leander, „und deshalb hasste ich die Braunen. Und die Braunen hassten mich. Besonders der allmächtige Goebbels, dem nicht nur die Schauspielerinnen, sondern das gesamte Filmwesen unterstanden, war mein erbitterter Feind. Und so wurde ich der beliebteste Filmstar des Dritten Reiches. Ich hatte eine vier Meter lange Leibgarde, bestehend aus zwei Männern à zwei Meter, die „Z. L.“ eingestrickt hatten und vor mir hergehen mussten. In ihrem Schutze schritt ich widerstrebend von einem Empfang der braunen Machthaber zum anderen, von einem Gelage zum nächsten und studierte die Bonzen, um später in meinen Memoiren berichten zu können, wie sehr ich sie verabscheute. Manchmal konnte ich aus meinen Antipathien kein Hehl mehr machen und trank die Reichsminister unter den Tisch; in meiner schwedischen Heimat herrschte damals nämlich Alkoholverbot. Überall, wo ich hinkam, war ich der Mittelpunkt des Festes, mein Dekolleté erregte mehr Aufsehen als das von Göring, und sogar Hitler küsste mir die Hand. Was ich gelitten habe!

 

Rothaarige sind unpolitisch

Man hat mir später oft zum Vorwurf gemacht, dass ich mich mit den Nazis eingelassen hätte. Ich war politisch völlig ahnungslos. Denn ich war, wie gesagt, rothaarig. Waren die Männer, mit denen ich zu tun hatte, Nazis? Ich weiß es nicht. Ich habe sie nie gefragt. …

 

Zu wenig Bomben- zu wenig Filme

Als die Bombenangriffe auf Berlin immer heftiger wurden, konnte ich das Leid des deutschen Volkes nicht mehr mit ansehen und ging nach Schweden, wohin ich immer die Hälfte meiner Gagen überwiesen hatte. Dadurch sank das Niveau der deutschen Filme rapide. Sie wurden so schlecht, dass es die deutschen Offiziere nicht länger ertragen konnten und am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Hitler inszenierten. Es war leider von vorneherein zum Scheitern verurteilt, denn ich war sowieso nicht mehr da.

 

Ich sollte als Wunderwaffe eingesetzt werden

Der Ruhm meiner Filme war weit über die Grenzen Deutschlands hinausgedrungen.

Von allen Seiten kamen daher die alliierten Armeen, um Berlin zu erobern. Die Rote Armee, die von meinen roten Haaren gehört hatte, war zuerst da. Als sie sich der Reichskanzlei näherte, rief mich Hitler in Schweden an. Ich sollte kommen, um seiner SS vor dem Endkampf das Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ vorzusingen. Aber ich lehnte ab und sagte kühl, ich wäre schon immer eine Widerstandskämpferin gewesen. Das war das Ende des Dritten Reiches.

(Zittiert aus der 9. Folge der „Literazzia“ des unvergessenem Hans REIMANN- Die 9. Folge der jährlich gesammelten Buchkritiken erschien 1960)

 

Nach dieser lustvollen Ausschweifung retour nach Friedenau:

 

Auf ihrem Grabmal steht „Hier stehe ich an den Marken meiner Tage“, wobei das Wort „Marken“ als Grenze zum Lebensende/Tod gelesen werden muss. (Auch die Mark Brandenburg war und ist heute wieder Grenzland.)

Ich habe die Zeile immer Rilke oder Fontane zugeschrieben, aber allüberall wird es dem Lützowschen Jäger Theodor Körner zugeordnet, der blutjung mit seinen 21 Jahren bei Gadebusch in den Befreiungskriegen am 26.8.1813 vor 200 Jahren verblutete. Ich habe meine Körner- Ausgaben durchgewühlt und die Zeile bisher nicht verifizieren können. Schreibt hier einer vom anderen ab? Oder muss ich mich noch seinen dramatischen Versuchen widmen? Vielleicht weiß einer der Leser mehr.

Wie dem auch sei, die Zeile, die sie selbst auswählte, deutet auf ihre aufrechte Gelassenheit hin, die sie lebenslang prägte. Sich nichts vorzumachen, mehr sein als scheinen, da wird für mich wieder die preußische Grundmelodie ihres Lebens sichtbar.

Lit_12_marlenegrabDie Dietrichschen Memoiren habe ich allerdings nicht gelesen. Ich gehe davon aus, dass sie nicht von der geschwätzigen Machart einer Leander sind.

Ungeachtet dessen hat die Zarah als Sängerin mich mit ihrer verrauchten voluminösen Stimme auch betört und umjehauen! Verrucht und zugenäht!

So ist’s.

Im Übrigen ist Friedenau vielgestaltiger  als man denken sollte. Eine „first lady“ oder „queen“  unter der Erde sollte nicht zum Mittelpunkt der Ortsbetrachtung aufrücken.                                                                    .

Ach, lieber Leser, nu ist der arme Stefan Eggert völlig außer Blick geraten. Jenun, ich werd’ ihn andernmal wieder reanimieren, bzw. als Aufhänger missbrauchen.

 

Baraschlein

 

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BAEDEKERS

Berlin-Schöneberg Bezirksführer

5. Auflage (mit Druckkostenzuschuss desBezirksamtes) und Vorwort des damaligen Bürgermeisters, 48 Seiten Register Broschur

– angereichert um kritische Blicke eines Außenstehenden auf das evangelische Kirchentreiben in Friedenau.

Lit_13_bezirksfuehrerDie erste Auflage 1967 verfasste der selige Kurt Pomplun (1910-1977) „Kutte kennt sich aus!“ Seitdem ist nichts hinzugetreten. Schmalhans ist Küchenmeister. Auf zweieindrittel Druckseiten das denkbar knappste gesagt.

Die liebevolle Zeichnung einer friedenauspezifischen Landhausvilla wurde allerdings eingespart.

Aber der gebürtige Schöneberger Pomplun bewegt sich auf sicherem Boden und die präzise Erfassung historischer Zäsuren gelingt ihm in bewährter Baedekerscher Tradition:

„ Im nördlichen Verlauf unterfährt die Bundesallee seit 1967 in einer Tunnelstrecke die S-Bahn, den im Bau befindlichen Südring der Stadtautobahn und den Ostwestverkehr am Bundesplatz.“

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In der Tat wurde im Zuge dieser Großbuddelei der vorher wunderschön gestaltete Friedrich-Willhelm- Platz im Herzen des Ortsteils lieblos verkleinert und verhunzt. Die von Carl Doflein 1892- 1894 errichtete evangelische Hauptkirche „Zum guten Hirten“ steht seitdem um einiges nackichter (verkehrsumfluteter) da.

Das neugotische Brunnen-Denkmal von Ludwig Diehn (eingeweit 1901) im roten Sandstein ausgeführt an der Nordseite des Platzes wurde Stiekum auf Nimmerwiedersehen abgeräumt (1966). Dabei wirkte es in einer Platzierung und Gestaltung kontrapunktisch zur Kirche und erhöhte den Reiz der Anlage.

Generationen von Friedenauer Familien haben am Brunnenrand hier – nach Kirchgang – fotografieren lassen. Der Park war eine Oase, die zum Lustwandeln einlud. Heute eine umflutete Insel ohne den alten gestalteten Charme.

Viele säumende Bäume fielen der verkehrsgerechten Straßenerweiterung zum Opfer. Untertunnelungen der Trasse führten dazu, dass an längeren Abschnitten ein Überqueren der Großachse unmöglich geworden ist.

Die ehemalige majestätische Nord-Süd- Magistrale (Kaiserallee) wurde zur Trenn- und Rennstrecke Bundesallee, wobei der Alleen- Charakter fast zur Gänze geopfert wurde und nur in der Benennung erhalten blieb.

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Friedenau hat seitdem auch etwas Zweigeteiltes an sich. Zerfiel in Ost- und Westhälfte. Dem Mobilitätszwang zuliebe geopfert. Dies zum Thema „Fortschritt“.

Lit_16_philippus_glasPompluns endet mit der Beschreibung der Philippuskirche- Stierstraße – Evangelisch- welche 1962 „von Florian Breuer mit einem wandfüllenden farbigen Glasfenster geschmückt“ wurde. Allerdings, lieber Kutte, diese Glasintarsien werfen auch noch über 50 Jahre später wunderbares Licht – überwiegend blau und grün gehalten – in den Innenraum. Zweifellos meisterhaft und ähnlich erhaben wie die Glaslichtarchitektur der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche von Meister Egon Eiermann.

Der Architekt Hansrudolf Plarre hat sich hingegen nicht mit Ruhm bekleckert. Im Mai 2010 musste die Kirche wegen gravierender statischer Probleme

(Einsturzgefahr) gesichert werden und es galt „Betreten verboten“.  Der zeltartige Bau, der einer sechseckigen Figur folgt, wurde durch Stützpfeiler gerahmt und das kirchliche Leben wurde in den rückwärts gelegenen Sozialstation- Riegel eingebracht. Über etliche Monate! Ein Abriss des Kirchengebäudes musste in Erwägung gezogen werden, denn die Sanierungskosten überschritten bei weitem die finanziellen Möglichkeiten. Die Philippus Gemeinde hatte 1962 10.000 Mitglieder, 1987, also 25 Jahre später, waren es noch 5.000 Schäflein, 2010 waren es – hüstel, hüstel – mit Sicherheit nicht mehr geworden. Kurzum der Kirche entlaufen die Leute. Sie aber sucht sich neue Berechtigungsfelder bei existentieller Gefährdung: Zeitgeistaffin!

Zumindest der architektonisch-bauliche Niedergang konnte unter anderem durch die Erweiterung (auch baulich) nach dem Subsidiaritätsprinzip mit öffentlichen Geldern geförderten „sozialstaatlichen Aufgabenspektrums“ aufgefangen werden. Aber eine Quelle der Geldbeschaffung muss hier gerühmt werden.

Pfarrer Blech und einem Opernsänger von der Staatsoper, der in der hiesigen Kindertagesstätten seine drei Blagen hatte, gelang es im großen Stil, Künstler für Benefizkonzerte zu gewinnen.

Über ein Jahr wurden an verschiedenen Örtlichkeiten Veranstaltungen dargeboten und auf noble Weise und zu Freuden der Musikliebhaber Geld eingespielt. Diese tätige Bürgersinnigkeit nötigt auch dem Kirchenskeptiker Respekt ab. Hier ging es um Konkretes und nicht um die ansonsten in appellativer Sollenssprache verkündeten Sprüche wie „Bewahrung der Schöpfung“ und den „Weltfrieden“ und die „Verantwortung gegenüber der Dritten Welt“ etc. mit denen man ansonsten traktiert wird.

Ein Kindergarten (immer gut ausgelastet) war ja bereits schon 1960 für ca. 45 Kids eingerichtet worden, ein Jugendgästehaus war bis zum Mauerfall dito ausgelastet. Ferner warf ein großer Parkplatz mit seinen Dauermieten auch Gewinn ab.

Selbst auf den Platz in dem freistehenden Kirchturmgehäuse, das straßenwärts keine Wand hat, stand jahrelang ein Jeepähnliches KFZ. So erinnere ich mich.

 

Kurzum, nach Aufstockung des hinteren Traktes durch Aufsattelung einer „Tagespflegeeinrichtung für Senioren“ und durch mir nicht bekannte weitere Finanzhilfen, konnte ein Abriss abgewendet werden. Im Zuge der Rekonstruktion wurde der Parkplatz weiter verhässlicht durch ein gummiartig aufliegendes Gittergewerk, das große Teile der ehemaligen Rasenfläche zur Zufahrtstraße

Lit_17_philippus_turm„veredelt“ hat. Auch das neuangelegte Käfiggehege für den Mülltonnenpark an der zweiten schrankenbewehrten Zufahrtsstraße schindet: Eindruck!

Uwe Johnson (1934- 1984), der gegenüber in der Stierstraße 3 einst wohnte, hat sich in seinen „Berliner Sachen“ über das misstönende Geläut der Kirche höllisch geärgert.  Auch dieses Gebimmel wurde längst veredelt.  Nur die Reliefmauer aus Betonguss mit Skulpturen des Bildhauers Gerson Fehrenbach (1932- 2004, begraben unter einer selbstgearbeiteten spannungsreichen Großskulptur auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße. Sein Atelier befand sich ums Eck in der

 

Offenbacher Straße) wurde beiseite gerückt und deplaziert hinter den

Glockenturm verschoben. Zum Thema „Philippus und Nathanael“

erkundigt euch anderswärts.

 

Um auch weitere positive Eindrücke beizusteuern: Die Kinder, als auch die Mütter und Väter, die sie nachmittags aus dem Kindergarten abholen, machen auf mich zumeist einen zufriedenen und heiter- gelösten Eindruck.

Auch freut es mich, wenn ich Halbwüchsige, die großes Instrumentgerät schultern (manchmal fast so groß wie das Kind selbst) zur musikalischen Ertüchtigungen bzw. Verlustierung schreiten sehe. Und dies aus freier Entscheidung.  Das musikalische protestantische Erbe wird hier noch gepflegt!

Als kirchlich ungebundene Type, die aber religiösen Fragestellungen nicht kalt gegenübersteht, stimme ich – o heiliger Philippus- mit den orthodoxen Kalvinisten der Niederlande überein, die von den Lutheranern als den „tralala- evangelischen“ sprechen. Der kirchenspezifische Schaukasten mit seinen aus meiner Sicht inhaltsleeren wie dümmlichen Losungen- wirkt auf mich so attraktiv wie eine Tui- Reklame. (Hab Jesus im Herzen… hab Sonne im Herzen.)

Auf den Stolperstein- Initiativen- Schaukasten der unter der herrlichen Blutbuche prangt bzw. prunkt werde ich gewiss noch ausführlicher zu sprechen kommen: Geduld!

 

Anlässlich eines kirchlichen „Volksfestes“ bei Philippus habe ich als Geschenk das Dürersche Kupferstich Porträt des Melanchthon mitgebracht. Ein edler Reichsdruck mit seltenem Originalrahmen. Immerhin war Melanchthon der gelehrte Geburtshelfer der Reformation.  Mit meinem Geschenk stieß ich auf freundlich getarntes Unverständnis. Nuja, vielleicht bin ich ja nur an die falsche Repräsentantin des Pastoralen geraten.

 

Sonntäglich sehe ich nur wenige gottesdienstlich Gläubige pilgern. Manchmal Großfamilien aus anderen Kontinenten in feiertäglicher Gewandung.

Wahrscheinlich Verfolgte und Vertriebene christlicher Minderheiten. Auf diesen Gesichtern sehe ich Glaubensfreude und – Zuversicht.

 

Aber unsereins hat nicht das Recht noch die Lust, die Regsamkeit des Religiösen zu messen und zu gewichten.

Meine gemischten Gefühle hinsichtlich der Zeitgeistwendigkeit und –Windigkeit verstärken sich aber wenn ich das Kruzifix betrachte, welches vom „international renommierten“ Bildhauer Waldmar Otto in den Frühsechziger Jahren geschaffen wurde und im Kircheninneren den Augenfang über dem Altar bildet.

Ein unförmlich froschähnlicher Leib ohne identifizierbares Antlitz. Spirrige Ärmchen hängen am Kreuze. Kopf waagerecht vornüber. Jesaja 53, 2b und 3 (AT) herausgepickt und plakativ unterstrichen in dem skulpturierten Gebündel:

„Er hatte keine Gestalt noch Schöne.“ – Wahrscheinlich eine originelle Neufönerversion, seinerzeit.

Lit_18_philippus_jesusPhilippus-Kirche Stierstraße

(Außen und Innen)

Der Wesenskern des christlichen Glaubens besteht in der Inkarnation, und das heißt „Fleischwerdung“.

„Im Anfang das Wort“ heißt es im Johannes- Evangelium- Prolog und dieser definiert was bei Jesu Geburt geschah „Und das Wort ist Fleisch geworden.“. Und daraus ist zu folgern, dass der Schöpfergott die Gestalt seiner eigenen Schöpfung (die des Menschen) angenommen, um den Menschen zur alten verlorenen Gottebenbildlichkeit zurückgelangen zu lassen. Gut, ich

bin keen Theologe nicht und stütze

mich in meiner Interpretation auf Martin Mosebach. Was dieser als Kern des

Glaubens im Neuen Testament herausarbeitet widerspricht allerdings der Gesichtslosigkeit (keine Gestalt noch Schöne) der Kirchenfigur. Auch als Schmerzensmann, der am Kreuze das Leid auf sich nimmt, ist er also Sohn Gottes und Mensch mit Ausdruck und Gestalt. Auch Schmerz  und Qual spiegeln sich im Antlitz.

 

 

Seit Jahren ist dieselbe Gemeinde Zentrum der Friedenauer Stolperstein- Bewegung und „übergibt“ Jahr für Jahr (seit 2007) mit volkserzieherischer Absicht und religiösem Eifer und mit Rückenwind und einer anonymen „Öffentlichkeit“, die nie befragt wurde, ihre auf den Bürgersteigen vor den Hauseingängen verlegten Gedenkplaketten. Das Motto der Aktion, welches wieder und wieder verkündigt wird, lautet „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

Stimmt dies überhaupt? Ist der innewohnende Anspruch berechtigt? Ist er überhaupt einlösbar? Der Sinngehalt derartiger Parolen der Verkündigung wird allerdings von keinem mehr befragt. Wie meist dienen Parolen zum sinnentleerten Nachplappern. Dieses Credo sei uns heilig! Noch befriedigender wäre es, ihnen ein menschliches Antlitz zu geben, so wie in Yad Yashem in Israel, wo einer riesigen „Halle der Namen“ den Opfern der Verfolgung im Dritten Reich ein Gesicht (Foto) gegeben wird.

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Allerdings, bei der Zentralfigur ihres Glaubens haben sie es vergessen!

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Nachdenkenswert!

Ich werde weiterhin in dieser Sache argumentieren und zwar so, dass meine 92 Jährige Friedenauer Freundin nicht bange sein muss, dass ich in Tegel (Knast) lande. …“ Aber Herr Barasch, da kann ich Sie doch gar nicht mehr besuchen.“ … Man warte ab!
Noch ist die Argumentation in diesem Lande nicht geächtet. Zu den Verheißungen des Grundgesetztes stehe ich… Bis später!

6. September 2013, Ende Lieferung 1